Die zweite der TOP 3 – Fan-Weihnachtsgeschichten der gemeinsamen Gewinnaktion
des TVB Wilder Kaiser und des Bergdoktor Fanclubs!

Im Abstimmungszeitraum 13. Dezember 2015 – 20 Uhr bis 15. Dezember 2015 – 21 Uhr
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Die Himmelsforscher

von Jutta Dillbahner

In den letzten Tagen hatte Frau Holle ordentlich ihre Betten ausgeschüttelt und eine Menge Schnee auf Ellmau rieseln lassen. Wie in eine dicke weiße Watte eingehüllt lag das Dorf jetzt am Fuße des Wilden Kaisers, der förmlich gezähmt schien durch den weißen Zuckerguss, den Frau Holle ihm verpasst hatte. Der Rauch, der aus den Kaminen der schmucken Tiroler Häuser emporstieg, vermischte sich mit dem Duft von Bratäpfeln, heißen Maronen und gebrannten Mandeln, die es jetzt auf dem Ellmauer Weihnachtsmarkt an jeder Ecke zu kaufen gab. Weihnachten lag förmlich in der Luft.

Lilli sog die klare, mit solch verführerischen Düften geschwängerte Winterluft in tiefen Zügen ein und drehte dabei quietschvergnügt ihre Runden auf ihren Schlittschuhen über das Kunsteis, das sie in diesem Jahr angelegt hatten. Das von den Scheinwerfern angestrahlte Eis glitzerte mit den Sternen am frühen Abendhimmel um die Wette. Was für ein buntes Treiben auf der Eisfläche!
Immer wieder haftete Lillis Blick an der so professionell über das Eis gleitenden hochgewachsenen Gestalt eines jungen blonden Mannes in den Mittzwanzigern. Harald Johansson, ein Eiskunstläufer aus Ronninge bei Hennigslund in Schweden, der seinen Urlaub in Ellmau verbrachte, gab den Schaulustigen hin und wieder eine Kostprobe seines großartigen Talentes, indem er ab und an eine seiner kunstvollen Pirouetten drehte. Auch ihm war die hübsche junge Dame mit den großen himmelblauen Augen und dem dunkelblonden Lockenschopf nicht entgangen, und wahrscheinlich war es sein aufflammendes Interesse an ihr, das ihm für eine Sekunde die Konzentration raubte und ihn straucheln ließ. Sein Körper prallte hart auf die Eisfläche. Eine ganze Weile blieb er mit vor Schmerz verzogenem Gesicht auf dem Eis liegen und krümmte sich, während ihm bereits eine Gruppe von Eisläufern zur Hilfe eilte. Als Lilli ihn erreichte, stand er allerdings schon wieder auf seinen Kufen, lächelte sie an und rief ihr entgegen: „Nichts passiert! Halb so wild, höchstens ein paar blaue Flecken!“ „Das sehe ich aber etwas kritischer, junger Mann“, mischte sich plötzlich einer der herbeigeeilten Eisläufer ein. „Dr. Martin Gruber“, stellte er sich vor, „ich bin Arzt hier in Ellmau und würde an Ihrer Stelle die Sache nicht so einfach auf die leichte Schulter nehmen!“ Unentwegt redete er auf den doch etwas angeschlagenen Eiskunstläufer ein, bis dieser schließlich nickte, und Dr. Gruber sein Handy zückte: „Alexander, ich brauche dringend einen CT-Termin für einen gestürzten Eiskunstläufer!“ „Martin, mein Freund“, entgegnete ihm Dr. Alexander Kahnweiler aus dem Klinikum in Hall, „weißt du eigentlich, was hier los ist? Hier im Krankenhaus warten Schlangen von Skifahrern mit gebrochenen Hachsen auf ein CT. Wir haben Hochsaison! Heute wird das nichts mehr. Übrigens Martin, Vera will mit mir nach den Feiertagen zu einem Ärztekongress über den großen Teich nach New York fliegen. Martin ich hab’ Flugangst, das schaffe ich nicht!“ „Alexander, entspann’ dich. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Da wärst du der allererste!“ scherzte Dr. Gruber mit seinem Freund.
Lilli hatte während der kurzen Unterhaltung zwischen den beiden Medizinerkollegen alles daran gesetzt, um mit Harald näher ins Gespräch zu kommen, und eine Einladung zur gleich stattfindenden Adventsfeier in der Gastwirtschaft „Wilder Kaiser“ erschien ihr ein sehr geeignetes Trostpflaster zu sein für diesen so unendlich attraktiven jungen Schweden, der obendrein noch so exzellent deutsch sprach. Zu ihrer größten Überraschung willigte der große Blonde auch sofort ein, denn irgendwie sollte der Abend doch noch gerettet werden.

Susanne Dreiseitl hatte wieder einmal alles daran gesetzt und keinerlei Mühen gescheut, dass auch diese vorweihnachtliche Feier in ihrer Gastwirtschaft für ihre Familie, zu der sie auch Martin, Lisbeth und Lilli Gruber zählte, sowie für ihre vielen Gäste, zu denen in diesem Jahr auch Dr. Alexander Kahnweiler und seine charismatische Freundin Dr. Vera Fendrich gehörten, zu einem vollen Erfolg werden würde. Hans Gruber sollte dabei den Knecht Ruprecht spielen und kleine Geschenkpäckchen an alle Anwesenden verteilen, vorher allerdings noch schnell die vorbestellte Tanne von der Gärtnerei „Zum Baumgartner“ abholen, aufstellen und festlich schmücken. All diese Anliegen der tatkräftigen Wirtin, mit der Hans ein gemeinsames Kind hatte und die er im Innersten trotz aller Turbulenzen in ihrer Beziehung noch immer sehr liebte, führten wieder einmal zu endlosen Diskussionen zwischen den beiden. „Susanne, ich mache mich doch nicht zum Affen vor den Gästen!“ hatte er ihr vorgehalten. „Und überhaupt, was verlangst du eigentlich noch alles von mir?“ Letztendlich hatte sich Hans allerdings geschlagen gegeben, denn es war eben bald Weihnachten.
Während die Gäste im „Wilden Kaiser“ an diesem Abend einen kunstvoll geschmückten Tannenbaum bestaunten und einem stilecht mit einem langen weißen Barth ausstaffierten Knecht Ruprecht lauschten, der ein eilig auswendig gelerntes „Von drauß’ vom Walde komm’ ich her“ etwas holprig vortrug, saßen Harald und Lilli schon eng beieinander. Lilli hatte nur Augen und Ohren für Harald, der ihr flüsternd erzählte, wie man Weihnachten in Schweden feiert.
Plötzlich musste er husten, immer wieder. Er fragte sich, woher nur dieser quälende Hustenreiz auf einmal kam, der sich auch nicht mit einem Glas Wasser stillen ließ. Harald fasste sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an seine linke Brust und wollte tief Luft holen, was ihm allerdings kaum gelang: „Ich bekomme hier so schlecht Luft, ich glaub’, ich geh’ mal kurz raus an die frische Luft!“ „O’Harald, was fehlt dir denn bloß?“ stieß Lilli besorgt hervor und eilte auch schon ihrem offensichtlich in ernster Gefahr schwebenden Schwarm hinterher, während sie nervös den Blickkontakt zu ihrem Vater Martin suchte.
Vor dem Gasthof war Harald zusammengebrochen. Dr. Martin Gruber war sofort an seiner Seite. Schon lange hatte er den Eiskunstläufer aus dem Augenwinkel heraus kritisch beobachtet. „Schnell, mein Arztkoffer aus dem Wagen!“ rief er nur noch. Während Dr. Gruber eilig nach dem Puls des Eiskunstläufers tastete, der sich mit 98 Schlägen pro Minute als deutlich zu hoch für einen Sportler erwies, stürmte der Lutz vom Beutlerhof, der Susanne heute beim Kellnern im „Wilden Kaiser“ aushalf, zum grünen Oldtimer des Doktors und holte den ersehnten Koffer. „Alexander, setz’ bitte sofort einen Notruf ab, wir brauchen schnellstens einen Krankenwagen!“ rief Dr. Gruber seinem herbeigeeilten Kollegen zu. „Und hilf mir bitte, den jungen Mann wieder in die Gaststube zu bringen.“ Vorsichtig hievten sie mit vereinten Kräften den nach Luft ringenden Harald auf einen Stuhl, und Dr. Gruber hörte mit seinem Stethoskop gründlich seine Lunge ab. „Fast keine Atemgeräusche mehr auf der linken Seite!“ Dr. Gruber runzelte nachdenklich die Stirn und begann unverzüglich damit, den Rücken des jungen Patienten vorsichtig abzuklopfen. „Alexander, hörst du es auch, der Klopfschall über der linken Lunge klingt deutlich hypersonor. Der linke Lungenflügel ist kollabiert! Da ist Luft in den Pleuraspalt eingedrungen! Wir haben hier einen Pneumothorax!“ „Martin, bist du dir da auch ganz sicher?“ wollte Dr. Kahnweiler von seinem Freund wissen und bekam die prompte Antwort: „Darauf gebe ich dir Brief und Sigl!“
Haralds Zustand verschlechterte sich dramatisch. Er rang immer mehr nach Luft, atmete schnell und flach und lief zusehends blau an. „Martin, bei unserem Freund treten die Halsvenen prall hervor!“ rief Dr. Kahnweiler besorgt. „Verdammt, da hat sich ein Spannungspneumothorax entwickelt! Einflussstauung vor dem rechten Herzen!“ Dr. Gruber nahm Harald die Blutdruckmanschette ab: „Sein Blutdruck geht in den Keller! Alexander, pass’ auf, wir versuchen jetzt eine Druckentlastung der Pleurahöhle hinzubekommen.“ Routiniert punktierte Dr. Gruber mit einer großlumigen Kanüle die linke Pleurahöhle seines Patienten. Unterdessen hörte man die Sirenen des herannahenden Rettungswagens immer deutlicher.

Am nächsten Morgen betrachteten die beiden Medizinerkollegen konzentriert das CT des Eiskunstläufers im Klinikum in Hall. „Das hätte knapp werden können“, seufzte Dr. Gruber und deutete auf die Aufnahmen, die drei gebrochene Rippen und einen ausgeprägten Pneumothorax zeigten. „Hätte es nicht auch eine Herzbeuteltamponade sein können?“ philosophierte Dr. Kahnweiler. „’Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen’, Immanuel Kant!“ hörte man die resolute Stimme Dr. Vera Fendrichs im Hintergrund, die ein spitzbübisches Gesicht aufsetzte und den beiden verschmitzt zulächelte.
Harald Johansson hatte seine Operation gut überstanden. Noch lag die Thoraxdrainage, aber schon bald würde er das Krankenhaus wieder verlassen können. Die Ärzte versammelten sich zur Visite um sein Krankenbett und drehten sich verwundert um, als sich plötzlich die Tür des Krankenzimmers öffnete, und eine engelgleiche Gestalt mit einem Lichterkranz auf dem Kopf hereinspazierte. „Lilli, was hast du vor?“ fragte Dr. Gruber erstaunt seine Tochter, die sich den Anwesenden mit einem langen glänzenden schneeweißen Kleid, das in der Taille mit einem roten Seidenband gehalten war, und einer Lichterkrone aus brennenden Kerzen auf dem Kopf präsentierte. „Heute ist der 13. Dezember, und da feiert man in Schweden das Luciafest“, klärte Lilli auf. „Und wo hast du so schnell diese Kostümierung aufgetrieben?“ wollte ihr Vater weiter von ihr wissen. „Requisiten von unserem Krippenspiel ‚Die Himmelsforcher’ in der Schule“, flötete Lilli ihm zu. „Die Himmels-was? Lilli, nimm bitte den Kaugummi aus dem Mund, wenn du mit mir sprichst“, ermahnte Dr. Gruber seine Tochter. „Die Himmelsforscher!“ sagte Lilli noch einmal deutlich und mit Nachdruck, während sie Harald freundlich zublinzelte. Harald lächelte, und in seinen Augen lag ein feuchter Glanz. Draußen hörte man die Glocken der Kirche vom Hubertusplatz.

Habt einen entspannten und ruhigen 3. Advent!

1 Kommentar zu „“

  1. Hallo Ihr Lieben,
    ein herzliches Dankeschön an die Fachjury für ihr Votum und an alle Bergdoktor-Fans, die ein Like für meine Geschichte hinterlassen haben. Ich habe mich sehr gefreut.
    Dem gesamten Bergdoktor-Team und all seinen Fans wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr!
    Ich bin schon sehr gespannt darauf, meinen Gewinn im nächsten Jahr einzulösen und würde mich freuen, vielleicht den ein oder anderen von Euch beim Bergdoktor-Fantag im Mai persönlich kennenzulernen.
    Liebe Grüße
    Jutta

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