Die erste der TOP 3 – Fan-Weihnachtsgeschichten der gemeinsamen Gewinnaktion
des TVB Wilder Kaiser und des Bergdoktor Fanclubs!

Im Abstimmungszeitraum 06. Dezember 2015 – 20 Uhr bis 08. Dezember 2015 – 21 Uhr
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„Ein Weihnachtsmärchen“

von Gabriele Schindler

Hoch über dem kleinen Tiroler Dörfchen Ellmau hatte die Familie Gruber ihren Bauernhof.
Hans Gruber, dem das Anwesen gehörte, bewirtschaftete es zusammen mit seiner Mutter Lisbeth. Sein älterer Bruder Martin war ein studierter Doktor und hatte seine Ordination unten im Dorf. Und dann gab es noch die Lilli! Die Tochter von Hans…. und von Martin. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und schon lange her.

Jetzt herrschte tiefster Winter im Land des „Wilden Kaiser“, und das Jahr ging langsam seinem Ende zu.
Heute war nun der Tag des „Heiligen Abend“.
Am späten Nachmittag, die Stallarbeit war gemacht, saßen Lisbeth und Hans in der warmen Stube und sahen Lilli dabei zu, wie sie den Baum schmückte. Sie tat es recht üppig, sodass sich die Äste schon nach unten bogen. Hans schüttelte den Kopf: „Jetzt reicht es aber, Lilli!“ Aus einiger Entfernung betrachtete sie stolz ihr Kunstwerk. „Sind ja auch gar keine Sterne mehr da“, musste sie feststellen. „Ja Gott sei Dank“, seufzte Oma Lisbeth und musste sich dabei das Lachen verkneifen, „da hat der Baum aber noch mal Glück gehabt!“

Die ganze Stube war nun festlich geschmückt. Auch die uralte Weihnachtskrippe hatte man wieder vom Dachboden geholt. Lilli weigerte sich, das arg lädierte Jesuskindlein, dem schon Arme und Beine fehlten, ins Krippchen zu legen. Doch Lisbeth bestand darauf und deckte es liebevoll bis zum Kopf mit Stroh zu.
Sie war gerade damit fertig geworden, als Martin zur Tür hereinkam. Seine Patienten hatte er alle versorgt und die Praxis über die Weihnachtstage geschlossen. Er zog die Stirn nach oben, als er den Weihnachtsbaum so betrachtete. „Üppig, üppig“, war sein einziger Kommentar. „Ach Martin! Es ist ja schließlich nur einmal im Jahr Weihnachten“, sagte Lilli trotzig und stemmte dabei beide Hände in ihre Hüften.
Als sie jetzt so vor ihm stand, bemerkte er, wie groß sie doch geworden war. Seine Tochter, eine richtige junge Dame! Die Jahre vergingen einfach viel zu schnell.
Dieses Jahr war für den Martin Gruber nicht einfach gewesen. Seine Zukunftspläne mit der Bauerntochter Anne waren einfach so zerronning. Das hatte ihm schwer zu schaffen gemacht. Hätte er doch Brief und Sigl darauf gegeben, dass Anne eines Tages seine Frau werden würde. Aber der Gruber Martin hatte halt einfach kein Glück mit den Frauen!

Schon bald war es höchste Zeit, dass sie sich auf den Weg hinunter zur Christvesper machten. Ein herrlicher Anblick, wie das verschneite Dorf jetzt so friedlich vor ihnen lag. Die Lichter strahlten aus den Fenstern, und über den Dächern stieg der Rauch in den Abendhimmel.
Vor der Kirche wartete schon Roman Melchinger, ein alter Freund der Familie, auf sie. Er hatte den kleinen Manuel Lechner an der Hand. „Roman, ist es denn dem Rup recht, wenn wir den Buben mit in die Kirche nehmen?“ fragte Lisbeth nach. Roman nickte: „Ja, ja! Das passt schon so.“
Diesen Lechner Rup, den Vater des Buben, hatte das Schicksal arg gebeutlert. Er hatte vor zwei Jahren seine Frau Annemarie verloren. Eine Lawine hatte seinen ganzen Bauernhof mitgerissen. Er stand da, ohne einen einzigen Pfhennig. Damals hat er sich vom Herrgott und von den Menschen abgewandt. Seitdem lebt er mit dem Buben droben auf der „Baumgartner Hochalm“.

Die Grubers füllten nun eine ganze Bankreihe in der Kirche. Lilli saß neben Manuel und bemerkte, wie ihm der Rotz aus der Nase schon fast in den Mund hinein lief. „IiiI Mmanuel, putz dir doch endlich die Nase!“ schimpfte sie ihn. Lilli gab ihm ein Taschentuch, aber Manuel nahm viel lieber seinen Jackenärmel dazu.
Die Kirchenglocken fingen an zu läuten, und dann lauschten alle der Weihnachtspredigt des Herrn Pfarrer. Mit dem Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ ging die Christvesper zu Ende. Danach musste natürlich noch die Krippe angeschaut werden, die vorne im Altarraum aufgebaut war.
Als der Bub dann mit strahlenden Augen davor stand, wischte sich Lisbeth verstohlen ein paar Tränen aus dem Gesicht. Sie bückte sich zum Buben hinunter. „Schau Manuel, wie lieb das Jesuskindlein ausschaut!“ Lilli drängte sich dazwischen. „Das hat ja auch noch Arme und Beine, nicht wie das von den Grubers“, sagte Lilli grimmig und sah dabei ihre Oma streng an. „Und da sind die „Heiligen Drei Könige““, meinte Lisbeth ganz ehrfürchtig. Manuel griff sofort nach dem Kamel, das dabei stand. Lilli nahm ihm die Krippenfigur aus der Hand und stellte sie schnell wieder zurück. „Weißt du überhaupt, was das für ein Tier ist?“ Er schüttelte den Kopf. Mit erhobenem Zeigefinger erklärte sie: „Das ist ein Kamel! Das kann dreißig Tage lang durch die Wüste So`hara laufen, ohne einen einzigen Schluck Wasser zu trinken.“ Manuel schien das überhaupt nicht zu beeindrucken. Er hatte nur noch Augen für das „Heilige Paar“ mit dem Jesuskindlein.
Irgendwann nahm Lisbeth ihn dann an die Hand und zog ihn mit nach draußen. Dort warteten schon Hans, Martin und Roman. Dann machten sich alle auf den Weg zurück zum „Gruberhof“.

Von weitem sahen sie eine dunkle Gestalt vor ihrer Haustür sitzen. Es war der Lechner Rup. Bei Dunkelheit war er den tief verschneiten, steilen Almweg abgestiegen. Sie brachten ihn in die warme Stube. Seine Kleidung war voller Schnee und in seinem langen weißen Barth glitzerten die Eiskristalle. Martin half ihm, Mantel und Schuhe auszuziehen und legte ihm eine warme Decke um. Lilli wurde in den Keller geschickt, um eine Flasche vom guten Rum zu holen. In der Zwischenzeit brühte Lisbeth einen Tee auf und gab einen kräftigen Schuss davon hinein.
Wie ein Häufchen Elend saß er da, dieser Lechner Rup! War er doch früher ein so forcher Bursch gewesen. „Das ist mir noch nie passiert, dass ich mich so verlaufen hab“, brummelte er vor sich hin, „ich hab` den Heiligen Hubertus angefleht, er möge mich aus dem Wald führen.“ „Gott sei Dank ist dir nichts passiert“, beruhigte ihn der alte Doktor Melchinger und klopfte ihm auf die Schulter. Lisbeth hatte schon angefangen, den Tisch zu decken. „So, Rup und jetzt bist da und wir feiern Weihnachten gemeinsam.“

Alle hatten sie am Tisch der Grubers platz. Lisbeth stellte die große Suppenschüssel in die Mitte. Sie nahm ihr Geschirrtuch und legte es dem kleinen Manuel als Sabberlutz um. Dann setzte auch sie sich dazu. Es wurde kräftig zugelangt, denn alle waren sie hungrig. Nach dem Essen brachte Lisbeth noch einen großen Teller mit selbst gebackenen Plätzchen. Es gab herrlich duftenden Glühwein und Kakao für den Buben. So saß man in gemütlich Runde zusammen, und jeder wusste etwas zu erzählen.
„Lisbeth, ich hab noch ein Geschenk für dich!“ Manuel stand vor ihr und zupfte sie am Ärmel. Dann zog er etwas aus seiner Hosentasche hervor. Lisbeth traute ihren Augen nicht. „Ja Bub, um Gottes Willen! Du hast ja das Jesuskindlein aus der Kirche mitgenommen!“ Lisbeth schlug die Hände vors Gesicht. Er musste es in einem unbemerkten Augenblick eingesteckt haben, ging es ihr durch den Kopf. Als der kleine Manuel merkte, dass sie sich gar nicht über sein Geschenk freute, kullerten ihm dicke Tränen übers Gesicht.
„Lisbeth,….. dein Jesuskindlein hat doch keine Arme und Beine mehr“, schluchzte er. Lisbeth beugte sich zu ihm hinunter und wischte ihm die Tränen weg. „Weißt du Manuel, was wir machen? Wir beide gehen gleich morgen Früh zum Herrn Pfarrer und sagen ihm, dass sein Jesuskindlein diesmal die „Heilige Nacht“ am „Gruberhof“ verbracht hat! Dann ist er dir ganz bestimmt nicht böse!“
Keiner konnte dem kleinen Manuel böse sein, hatte er es doch nur gut gemeint! Den ganzen Abend wurde noch oft herzhaft über das „geklaute“ Jesuskindlein gelacht.

In diesem Sinne einen wunderbaren 2. Advent und Nikolaustag!

5 Kommentare zu „“

  1. Liebe Gabriele,

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH
    zum 1. Platz.
    Deine Geschichte ist aber auch wirklich gut, ich freue mich für dich.
    Auch wenn ich es mit meiner Geschichte „Nikolausabend auf dem Gruberhof“ nicht unter die ersten drei geschafft habe, ich bin stolz und glücklich, außer Konkurrenz dabei zu sein. Es hat wirklich Spaß gemacht und man könnte sich jede Geschichte als Film vorstellen.
    Ich wünsche dir ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest
    und alles Gute fürs Neue Jahr.
    Das Fest hat für uns Fans ja gestern Abend mit dem „Bergdoktor“ im TV schon begonnen.
    Liebe Grüße
    Lydia Lachmann

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